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18.03.2026 -

Franchise aus erster Hand – zwei Gründende berichten über Hürden und Highlights

Einleitung

Selbstständig, aber nicht allein – das Franchisemodell ermöglicht den Schritt ins eigene Business mit einem erprobten Konzept im Rücken. So lässt sich Freiheit mit Sicherheit verbinden.

Eine fröhlich strahlende Frau schüttelt einer anderen Frau die Hand

Partnerschaftlich selbstständig: Franchising verbindet Eigenverantwortung und Unterstützung.

© iStock/laflor

Franchisenehmer gründen ihr eigenes Unternehmen, profitieren aber von einer starken Marke, erprobten Konzepten und dem großen Netzwerk des Franchisegebers. Dass dieses Konzept immer mehr Gründungsinteressierte anspricht, zeigt das kontiniuerliche Wachstum der Franchisewirtschaft in den vergangenen Jahren. Für den Trend sprechen mehrere Gründe. Zum einen ist Franchise so vielseitig wie kaum ein anderes Geschäftsmodell. Es bietet Einstiegsmöglichkeiten quer durch alle Branchen – von Bildung über Gastronomie bis hin zu Gesundheitsangeboten.

Zum anderen ist das Franchisesystem krisenfester als andere Wirtschaftsbereiche. „Anpassungen an schwierige Rahmenbedingungen gelingen im Franchising oft leichter: Bewährte Geschäftskonzepte, klare Abläufe und die enge Unterstützung durch den Franchisegeber helfen dabei“, erläutert Antje Piel, Sprecherin des Deutschen Franchiseverbands. „Franchisenehmer können auf eine breite wirtschaftliche Aufstellung und die Kraft einer starken Marke zurückgreifen. Das erhöht die Stabilität des einzelnen Unternehmens und macht das Geschäftsmodell widerstandsfähiger.“

Vom Museum zur Lerntherapie: Quereinstieg im Franchisesystem

Eine weitere Besonderheit des Franchisesystems ist die gute Möglichkeit zum Quereinstieg. „Branchenspezifische Vorkenntnisse sind häufig nicht entscheidend“, bestätigt Piel. Erwartet werde stattdessen unternehmerisches Denken, Organisationsfähigkeit, kaufmännisches Verständnis und die Bereitschaft, sich in ein bestehendes System einzuarbeiten. All das wurde auch bei Zayneb Al-Hashimy abgefragt, als sie sich 2019 darum bewarb, ein Duden Institut für Lerntherapie zu eröffnen. Die studierte Ethnologin hatte lange in der Museumspädagogik des Hamburger Völkerkundemuseums gearbeitet. Zudem brachte sie Erfahrung in der Immobilienverwaltung mit. „Dass ich wusste, was eine gute Buchführung ist, war nicht ganz unwichtig“, erinnert sich Al-Hashimy. „Aber letztlich ging es um das Menschliche.“ Hier sprang der Funken auf beiden Seiten sofort über.

Al-Hashimy war zu dem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr als freie Mitarbeiterin an einem Duden Institut in Hamburg-Blankenese beschäftigt. So wusste sie, was sie erwartet – und wie erfüllend sie die Arbeit als Lerntherpeutin für Kinder und Jugendliche mit Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche empfindet. „Ich wollte etwas tun, was ich liebe. Aber ich wollte nicht wieder alles eigenständig erarbeiten und das Rad neu erfinden. Ich fand es daher ideal, dass es da ein System gab, mit dem ich mich gut identifizieren konnte.“

Zayneb Al-Hashimy im Porträt

Zayneb Al-Hashimy leitet das Duden Institut für Lerntherapie in Hamburg-Harburg.

© privat

Konzept und Kapital: Voraussetzungen für die Franchise-Gründung

Bevor Al-Hashimy ihr Duden Institut in Hamburg-Harburg eröffnen konnte, erwartete der Franchisegeber eine stichhaltige Konzeption von ihr. Wie viele Schulen liegen im Einzugsgebiet, wie viele potenzielle Klienten aus welchen Klassenstufen gibt es? Diese und weitere Faktoren mussten aufgeschlüsselt werden. Nach dem „Go!“ des Franchisegebers verhalf ihr einer der KfW-Gründerkredite zum nötigen Kapital. Denn zur Gründung des eigenen Instituts muss der Franchisenehmer über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. Diese fallen zum Beispiel in Form einer Einstiegsgebühr an, mit der die Kosten der Ausbildung, Einarbeitung und Materialbereitstellung gedeckt sind. Zudem sind Investitionen in die Anmietung und Ausstattung der Räume nötig. Im Falle des Duden Instituts liegt die Höhe der benötigten Mittel je nach Standort zwischen 40.000 und 60.000 Euro.

Ist auch diese Hürde genommen, steht der Eröffnung nichts mehr im Weg. Die folgende Zusammenarbeit mit der Unternehmenszentrale verlief vom ersten Moment an vertrauensvoll und partnerschaftlich, berichtet Al-Hashimy: „Wenn ich zum Beispiel Ideen zur Umsatzsteigerung habe, kann ich jederzeit in der Zentrale anrufen und sie gemeinsam besprechen.“ Es bestehe viel Freiraum, um selbst gestalten und wachsen zu können.

Vom Banker zum Franchisenehmer in der Senionenbetreuung

„Es ist ein wechselseitiges Geben und Nehmen“, so beschreibt Christian Schuck die Beziehung zwischen Franchisegeber und -nehmer. Der ehemalige Banker ist seit 2017 Unternehmer im Home Instead-Franchisesystem und betreibt heute mehrere Standorte des Seniorenbetreuungsdienstes in Hessen und Bayern mit rund 400 Mitarbeitenden. Die Services reichen von der Betreuung zu Hause über die Begleitung außer Haus bis hin zur Unterstützung im Haushalt und Alltag. Seine Erfahrung als Führungskraft war für die Position hilfreich, die Branche jedoch war Neuland für Schuck. „Das Thema Gesundheit und Pflege hatte mich schon immer interessiert – und die Seniorenbetreuung ist ein Wachstumsmarkt“, erzählt er. „Gleichzeitig war der Wunsch da, mich selbständig zu machen. Aber mit einem Partner, der Unterstützung und gute Leitplanken bieten kann – gerade wenn man wie ich Quereinsteiger ist.“

Christian Schuck im Porträt

Christian Schuck ist Unternehmer im Franchisesystem Home Instead.

© privat

Doppelrolle als Unternehmer und Kunde des Franchisegebers

So lagen die Vorteile des Franchisemodells für ihn auf der Hand: Eine intensive Einführung zum Start, ein verlässliches Netzwerk für alle Fragen sowie kontinuierliche Weiterbildungen durch die Zentrale.

„Das Franchisesystem gibt eine klare Struktur und viel Unterstützung – aber unternehmerischer Erfolg hängt am Ende immer vom eigenen Einsatz ab“, sagt Schuck. Zumal die engmaschige Begleitung zum Unternehmensstart – zum Beispiel bei der Auswahl der Pflegefachkräfte – im Laufe der Zeit langsam nachlasse. Am Ende des Tages stehe man auf eigenen Füßen. Als Franchisenehmer sieht Schuck sich daher in einer Doppelrolle: einerseits als Unternehmer, andererseits als Kunde eines Franchisesystems. „Und da finde ich es auch ganz wichtig, wie ein Kunde behandelt zu werden. Es geht nur miteinander. Das heißt, auch der Franchisenehmer muss dafür sorgen, dass die Kunden zufrieden sind.“

Christian Schuck hat den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut, die Verträge ließ er regelmäßig verlängern. Seine Empfehlung an alle, die sich selbst eine Franchise-Gründung inklusive Branchenwechsel vorstellen könnten: „Gut zuhören. Rat annehmen.“ Zayneb Al-Hashimy ergänzt: „Man braucht am Anfang Kraft, Disziplin und Geduld – wie bei jedem Unternehmen. Aber meine Einstellung ist immer: Wenn ich noch nicht erfolgreich bin, dann bin ich noch nicht am Ende.“

Weitere Informationen zur Franchisewirtschaft

Wachsende Wirtschaftskraft mit System

Die Franchisewirtschaft ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Sowohl der Gesamtumsatz als auch die Zahl der Franchisebetriebe, der Franchise-Unternehmer und der Beschäftigten haben verlässlich zugelegt. Der Umsatz hat sich dabei deutlich nach oben entwickelt und liegt heute bei rund 149 Milliarden Euro. Parallel dazu ist die Zahl der Franchisebetriebe auf knapp 194.000 gestiegen, die Zahl der Franchise-Unternehmer auf rund 149.000 und die Zahl der Beschäftigten auf rund 830.000.

Top 1 im Branchen-Ranking: Dienstleistungsangebote

Bei Franchisenehmern am beliebtesten sind Dienstleistungsangebote: Mit 27 Prozent stellen sie den größten Anteil innerhalb der deutschen Franchisewirtschaft. Dazu zählen unter anderem Bildungs-, Beratungs-, Reinigungs- oder Servicekonzepte. Es folgen Handel und Gastronomie mit jeweils 20 Prozent. Ebenfalls stark vertreten sind Handwerk, Bau- und Immobilienwirtschaft mit 17 Prozent. Wachsend sind die Bereiche Gesundheit und Pflege (9 Prozent) sowie Freizeit und Fitness (7 Prozent).

Förderung von Frauen im Franchise

Der Anteil weiblicher Franchisenehmer liegt aktuell bei knapp 20 Prozent und damit deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Hier hat die Franchisewirtschaft klaren Handlungsbedarf erkannt. Maßgeschneiderte Programme, Netzwerke und Initiativen informieren Gründungsinteressentinnen über die Chancen, die Franchising Frauen bietet. Weitere Informationen unter Frauen im Franchise.

Franchise im Nebenerwerb – eher Ausnahme als Regel

Grundsätzlich möglich ist Franchise auch im Nebenerwerb, allerdings nicht in jeder Branche. Besonders dienstleistungsorientierte, personalarme und stark standardisierte oder digitalisierte Konzepte können einen Einstieg nebenberuflich erlauben. In vielen Fällen ist der Nebenerwerb jedoch eher als Übergangsphase gedacht. Die Realität zeigt: Franchisenehmer beschäftigen im Durchschnitt 5,6 Mitarbeitende und tragen umfassende unternehmerische Verantwortung. In stark operativen Bereichen – etwa der klassischen Gastronomie – ist ein dauerhafter Nebenerwerb kaum realistisch.

Das passende Franchise-Unternehmen finden

Über den SystemFinder des Deutschen Franchiseverbands lässt sich aus über 300 Franchisesystemen je nach Interesse und Investitionssumme das passende Unternehmen herausfiltern. Sie erhalten einen ersten Überblick über die Kennzahlen des Unternehmens und können es kontaktieren.

Hotline 030-340 60 65 60 Für allgemeine Fragen
Montag bis Donnerstag: 8:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 8:00 - 12:00 Uhr
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