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13.07.2026 -

Perspektivwechsel mit Gewinn – Ein neues Tool boostert die Zusammenarbeit zwischen Kreativen und Industrie

Einleitung

Wie entsteht eigentlich Innovation? In vielen Köpfen ist die Antwort klar: durch technologische Entwicklung oder Forschung. Weniger präsent ist ein Ansatz, der aus einer völlig anderen Richtung kommt: branchenübergreifende Zusammenarbeit, bei der kreative Perspektiven gezielt in industrielle Prozesse eingebracht werden. Um genau das zu fördern, gibt es jetzt den Cross Innovation Booster.

Gruppe junger Leute am Tisch mit Unterlagen, Dokumenten, Laptop, Smartphones und Tablet

© iStock/Prostock-Studio

Entwickelt wurde das digitale Tool vom KreativBund, einem Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das Ziel: Mehr Brücken schaffen zwischen Kreativen und Industrie – zum gegenseitigen Gewinn. So bündelt der Cross Innovation Booster vielfältige Fördermöglichkeiten, die für interdisziplinäre Projekte infrage kommen, und macht sie gezielt für Akteurinnen und Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft zugänglich. Kreative sollen besser erkennen können, wo ihre Kompetenzen auch außerhalb der eigenen Branche gefragt sind – und wie sie sich gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Technologie oder Wissenschaft auf Förderprogramme bewerben können.

„In der Kultur- und Kreativwirtschaft sehen wir viele Unternehmen und Selbstständige, die bereits an Schnittstellen zu anderen Branchen arbeiten“, sagt Katja Armbruckner vom KreativBund. „Oft fehlt aber die Verbindung, um diese Kompetenzen auch gezielt in größere, technologiegetriebene Projekte einzubringen.“

Warum der Zugang zu Fördermitteln oft schwierig ist

Gerade für Kleinstunternehmen, Solo-Selbständige und junge Unternehmen ist das relevant. Denn wer in der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeitet, hat meist weder eine eigene Fördermittelabteilung noch die Kapazität, sich durch hunderte Programme und komplexe Antragslogiken zu arbeiten. Der Cross Innovation Booster soll diese Hürde senken, indem er passende Fördermöglichkeiten kuratiert und so aufbereitet, dass sie auch für die Kreativwirtschaft leichter zugänglich werden.

„Es gibt unglaublich viele Fördermöglichkeiten, aber sie werden nicht immer von den richtigen Zielgruppen gefunden“, bestätigt Armbruckner. Besonders für Unternehmen, die an Schnittstellen arbeiten oder ihre Expertise erstmals in technologische oder industrielle Kontexte einbringen wollen, könne das schnell zur Herausforderung werden. Genau hier wolle der Booster Orientierung schaffen – und sichtbar machen, wo sich Anknüpfungspunkte für interdisziplinäre Kooperationen ergeben.

Neue Chancen für kreative Gründerinnen und Gründer

Dabei richtet sich das Tool nicht nur an etablierte Kreativunternehmen, sondern ausdrücklich auch an Gründerinnen und Gründer. Viele von ihnen arbeiten bereits mit digitalen, gestalterischen oder konzeptionellen Kompetenzen, die auch in anderen Branchen gefragt sind – etwa in Gesundheit, Mobilität oder Industrie. Der Booster hilft ihnen, diese Potenziale gezielter auszuloten und passende Förderansätze für gemeinsame Vorhaben mit anderen Partnern zu identifizieren.

Dass solche Verbindungen in der Praxis fruchtbar sein können, zeigt sich besonders dort, wo Kreative und Unternehmen bereits konkret zusammenarbeiten – etwa in den Cross Innovation Labs des KreativBunds. Dort kommen diverse Disziplinen zusammen, um an realen Herausforderungen aus unterschiedlichsten Industriebranchen zu arbeiten. „Wir setzen möglichst früh an“, erklärt Armbruckner. „Nicht erst am Ende, wenn ein Produkt fertig ist, sondern schon während der Entwicklung. So kann mitgedacht werden, wie es gestaltet, vermittelt und in neue Anwendungsfelder überführt werden kann.“

Praxisbeispiele: Wie Cross Innovation konkret funktioniert

Wie so etwas aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich Künstliche Intelligenz: Ein Start-up entwickelte eine Technologie zur Erkennung von Deepfakes, hatte jedoch Schwierigkeiten, ihren konkreten Nutzen für Medienhäuser und Plattformen greifbar zu machen. Durch die Zusammenarbeit mit Kreativen aus Design, Musik und Medien wurde die Anwendung stärker aus der Perspektive der Nutzung gedacht. Sie halfen dabei, mögliche Einsatzfelder zu schärfen, die Technologie verständlich zu vermitteln und ihren Mehrwert so zu übersetzen, dass er auch außerhalb des engen Tech-Kontexts nachvollziehbar wird.

Ein weiteres Beispiel liefert ein aktuelles Projekt mit dem Medizintechnikunternehmen Ottobock. Dort geht es um die Frage, wie Betroffene direkt nach einer Amputation psychisch und physisch optimal unterstützt werden können, zum Beispiel durch eine frühzeitige Stärkung des Körpergefühls. In interdisziplinären Teams – unter anderem mit einem Schauspieler, einer Softwareentwicklerin aus dem Gamesbereich und Designern – entstanden bereits in kurzen Arbeitsphasen erste prototypische Ansätze. Im Mittelpunkt steht die Idee, über spielerische und zugleich sensible Anwendungen Zugänge zu schaffen, mit denen Betroffene schrittweise auf die Nutzung von Prothesen vorbereitet werden.

Der „andere Blick“ der Kreativwirtschaft

Genau darin liegt ein zentraler Mehrwert der Kultur- und Kreativwirtschaft: nicht zwingend in der technischen Entwicklung selbst, sondern in der Fähigkeit, komplexe Innovationen zugänglich zu machen. Armbruckner spricht von einem „anderen Blick“: „Kreative suchen neue Wege zu den Nutzerinnen und Nutzern. Sie denken stärker in Narrativen, in Anwendungen, in konkreten Nutzungsszenarien.“ Dieser Perspektivwechsel kann gerade dann entscheidend sein, wenn neue Technologien zwar großes Potenzial haben, aber noch nicht klar ist, wie sie ihren Weg in die Praxis finden.

Dass Cross Innovation dieses Potenzial noch längst nicht überall entfaltet, hat auch mit strukturellen Unterschieden zu tun. Gerade große Unternehmen seien oft noch stark in ihren eigenen Innovationslogiken verankert, sagt Armbruckner. Unterschiedliche Arbeitsweisen, lange Prozesse und fehlende Berührungspunkte erschwerten es, externe kreative Perspektiven frühzeitig einzubinden. Hier brauche es weiterhin Überzeugungsarbeit – und Formate, die das gegenseitige Verständnis fördern.

Gleichzeitig wächst das Interesse an genau solchen Kooperationen. Vor allem dort, wo neue Technologien gesellschaftlich anschlussfähig gemacht, Produkte nutzerfreundlicher gestaltet oder neue Geschäftsmodelle entwickelt werden sollen, kann der Austausch zwischen Kreativwirtschaft und anderen Branchen neue Impulse setzen.

Über den KreativBund

Der KreativBund vernetzt bundesweit Organisationen und Initiativen der Kultur- und Kreativwirtschaft und stärkt deren Rolle als Impulsgeber für Innovation in anderen Branchen. Mit Formaten wie Kongressen, Workshops und Netzwerkveranstaltungen schafft er Räume für Austausch, neue Kooperationen und branchenübergreifende Schnittstellen. Der KreativBund ist Teil der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mehr Informationen auf der Webseite vom KreativBund.

Hier geht’s direkt zum Cross Innovation Booster.

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