Navigation

20.08.2026 -

Strukturwandel vor Ort: Wie Regionalförderung neue Perspektiven schafft

Einleitung

Viele ländliche Regionen stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Geschäfte schließen, Innenstädte veröden, Gründungsangebote sind oft weit entfernt. Gleichzeitig entstehen genau dort Ideen, die darauf abzielen, neue Perspektiven für das Dorfleben zu schaffen. Damit aus diesen Ideen erfolgreiche Unternehmen werden können, ist passgenaue Unterstützung gefragt – so wie von UNTERNEHMEN REVIER.

Eine junge Frau steht in der eines kleinen Lebensmittelladens. Neben ihr im Fenster hängt ein Schild mit der Aufschrift Open.

© iStock/Highwaystarz-Photography

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderte Modellvorhaben hilft dabei, innovative und praxisorientierte Projekte im Mitteldeutschen Revier auf den Weg zu bringen. Die ehemalige Braunkohleregion erstreckt sich über Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens und befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Ziel von UNTERNEHMEN REVIER ist es, Ideen aus der Region dabei zu unterstützen, den Wandel aktiv mitzugestalten – etwa durch neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle. Im Mittelpunkt stehen kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups, die ihre Vorhaben umsetzen möchten. 

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Förderangeboten liegt dabei in der engen regionalen Betreuung. „Wir besuchen die Projekte regelmäßig, begleiten sie eng bei der Antragstellung und stehen oft auch über das Projektende hinaus mit ihnen im Austausch“, sagt Rosa Asendorpf von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, die UNTERNEHMEN REVIER in der Region fachlich begleitet. Gerade für kleine Unternehmen und Start-ups sei diese Unterstützung wichtig, da sie häufig nicht über eigene Ressourcen oder Erfahrung im Umgang mit Fördermitteln verfügten. „Speziell im Mitteldeutschen Revier ist die Unternehmenslandschaft sehr kleinteilig“, sagt Asendorpf. „Neben wenigen großen Playern gibt es hier viele kleine und mittlere Betriebe sowie Start-ups, die wichtige Innovationstreiber sein können – wenn sie die Chance bekommen, ihre Ideen umzusetzen.“

Digitale Gründungsberatung abseits der Ballungsräume

Eines der geförderten Vorhaben ist der Vision Hub der Leipziger Gecko Two GmbH. Gründer Tom Potutschek und sein Team wollen Gründenden im ländlichen Raum den Zugang zu Wissen, Netzwerken und Unterstützungsangeboten erleichtern. Die Idee entstand aus einer Beobachtung: Während es in Städten zahlreiche Anlaufstellen für Gründungsinteressierte gibt, werden die Angebote außerhalb der Ballungsräume deutlich dünner. „Wir haben gemerkt, dass eine Asymmetrie an Angeboten vorhanden ist“, sagt Potutschek. Wer in einer Großstadt gründen wolle, finde schnell Beratung und ein Netzwerk. In kleineren Städten und Gemeinden sei das deutlich schwieriger.

Mit dem Vision Hub entwickelt das Team deshalb eine digitale Plattform, die Gründende mithilfe von Künstlicher Intelligenz berät und gezielt mit Ansprechpartnern und Angeboten in ihrer Region vernetzt. So erhalten Nutzerinnen und Nutzer nicht nur Informationen zu Gründungsfragen, sondern werden auch auf Wirtschaftsförderungen, Hochschulen, Coworking Spaces und weitere passende Einrichtungen verwiesen. Ein erster Prototyp ist bereits im Einsatz und wurde sowohl von Gründenden als auch von regionalen Akteuren getestet. So nutzt etwa das Landratsamt Nordsachsen die Plattform bereits in Beratungsgesprächen, unter anderem für eine erste Einschätzung von Geschäftsideen.

Potutschek geht es also nicht darum, persönliche Beratung zu ersetzen. Vielmehr soll die Plattform als Brücke dienen und Gründende dazu ermutigen, den nächsten Schritt zu gehen. „Die persönliche Betreuung macht am Ende den Unterschied“, sagt er. „Oft scheitert es daran, dass man sich gar nicht traut, konkret über eine eigene Gründung nachzudenken.“ Fehlendes Wissen und mangelnde Unterstützung aus dem Umfeld seien häufig größere Hürden als die Idee selbst. Der Vision Hub soll daher nicht nur Informationen liefern, sondern auch Selbstvertrauen vermitteln.

Hinter dem Projekt steckt auch eine persönliche Geschichte. Potutschek stammt aus dem Harz und verfolgt die Entwicklung vieler ländlicher Regionen seit Jahren mit Sorge. „So sehr ich die Heimat liebe und von der Lebensqualität überzeugt bin, so sehr sehe ich zunehmend strukturschwache Regionen“, sagt er. Digitalisierung könne dabei helfen, neue Chancen zu schaffen und moderne Lebens- und Arbeitsmodelle auch außerhalb der Großstädte möglich zu machen.

Ein Dorfladen als Treffpunkt und Versorgungsanker

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Marius Schiel mit dem Projekt „Unser Schopp“. Die Marke gehört zur Dorfkraft Holding GmbH, die Lösungen für die Nahversorgung im ländlichen Raum entwickelt. Gemeinsam mit seinem Team setzt Schiel auf moderne Dorfläden, die die Versorgung vor Ort sichern und dörfliche Strukturen stärken sollen.

Auslöser für das Vorhaben waren viele Gespräche mit Kundinnen und Kunden eines eigenen Bioladens. Immer wieder hörte Schiel ähnliche Sätze: „Wir müssen ja sowieso fahren, bei uns gibt es nichts mehr.“ Oft seien ältere Menschen dabei auf die Unterstützung von Nachbarn angewiesen gewesen, weil Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsanbindungen fehlten. Diese Beobachtungen führten zu einer grundlegenden Frage: Wie kann Nahversorgung auf dem Land wieder funktionieren? Nach umfangreichen Analysen entwickelte das Team ein Konzept für Dorfläden, das wirtschaftlich tragfähig sein soll und gleichzeitig die Versorgung vor Ort verbessert.

„Unser Schopp“ setzt dabei auf ein modernes Modell: Die modularen Dorfläden sind rund um die Uhr geöffnet, barrierefrei zugänglich und bieten ein Vollsortiment zu marktüblichen Preisen. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt erhalten. Mehrmals pro Woche sind die Läden personell besetzt, so dass Kundinnen und Kunden bar bezahlen können und bei Bedarf persönliche Beratung erhalten.

Der Pilotstandort in Burgkemnitz zeigt nach Angaben des Unternehmens, dass der Ansatz funktionieren kann. Der Laden wird von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen genutzt und ist weit mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Er stärkt die örtliche Infrastruktur, schafft einen Treffpunkt im Dorf und erleichtert gerade Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Alltag.

„Ohne UNTERNEHMEN REVIER hätten wir es nicht gemacht“

Für Potutschek war die Förderung durch UNTERNEHMEN REVIER weit mehr als finanzieller Rückenwind. Besonders hebt er die enge Begleitung und die Vernetzung hervor. „Ohne UNTERNEHMEN REVIER weiß ich nicht, ob wir das in der Form hätten machen können“, sagt er. Schon während der Antragstellung seien wertvolle Kontakte entstanden, die beim Aufbau des Projekts geholfen hätten. Ähnlich sieht es Marius Schiel. Für ihn war die Förderung entscheidend, um den ersten Dorfladen als Pilotprojekt umzusetzen. „UNTERNEHMEN REVIER hat uns sehr geholfen, den Pilotstandort zu entwickeln“, sagt er. Dieser sei essenziell gewesen, um nachzuweisen, dass das Konzept wirtschaftlich tragfähig ist. Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Ohne UNTERNEHMEN REVIER wären wir das Projekt nicht angegangen.“

Unterschiedliche Wege, gemeinsames Ziel

Ob digitale Gründungsberatung oder moderner Dorfladen – die beiden Projekte stehen beispielhaft dafür, wie vielfältig Innovationen im ländlichen Raum sein können. Dabei verfolgen beide dasselbe Ziel: Dazu beizutragen, dass Dörfer und kleinere Städte attraktive Orte zum Leben und Arbeiten bleiben. Gerade in Regionen, die sich im Wandel befinden, können solche Ideen wichtige Impulse setzen. Sie zeigen, dass Innovation nicht nur in Metropolen entsteht, sondern auch dort, wo Menschen ihre Heimat stärken und neue Perspektiven für ihre Region schaffen wollen.

Weitere Informationen

Ausblick und Überführung in das STARK-Bundesprogramm

Das Modellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER hat in den vergangenen Jahren wertvolle Impulse für den Strukturwandel in den Braunkohleregionen gesetzt und aufgezeigt, wie passgenaue Förderung von Gründungen sowie kleinen und mittleren Unternehmen im ländlichen Raum gelingen kann. Da das Vorhaben planmäßig zum 31. Dezember 2027 ausläuft und die diesjährigen Förderaufrufe die letzten ihrer Art sein werden, liegt der Fokus des BMWE nun darauf, die gewonnenen Erkenntnisse und erfolgreichen Ansätze zu sichern. Im Rahmen der kommenden Weiterentwicklung des STARK-Bundesprogramms werden diese bewährten Strukturen künftig gebündelt, um den Strukturwandel und die Innovationskraft in den Revieren nahtlos und nachhaltig auf eine neue, zukunftsfeste Basis zu stellen.

UNTERNEHMEN REVIER wird derzeit nicht nur im Mitteldeutschen Revier, sondern auch im Lausitzer, Rheinischen und Helmstedter Revier umgesetzt. Als Regionalpartner sind im Mitteldeutschen Revier die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und als Abwicklungspartner der Burgenlandkreis mit dem Aufbauwerk Region Leipzig GmbH für die Durchführung verantwortlich. Hier gibt’s Details zum Modellvorhaben „UNTERNEHMEN REVIER“.

REVIERPIONIER: Sprungbrett für Gründungsinteressierte

Der ebenfalls vom BMWE unterstützte Ideenwettbewerb REVIERPIONIER ergänzt die Strukturwandel-Förderlandschaft im Mitteldeutschen Revier Sachsen-Anhalt. Der Wettbewerb richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen und Initiativen, die mit eigenen Projekten zur Zukunft ihrer Region beitragen möchten. Für Gründungsinteressierte kann REVIERPIONIER ein erster Schritt sein, um eine Idee weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen. Der Ideenwettbewerb wird bis 2029 fortgeführt. Weitere Einzelheiten auf der Webseite des Ideenwettbewerbs REVIERPIONIER. Dort werden im Herbst 2026 auch Informationen zur nächsten Bewerbungsrunde veröffentlicht.

Hotline 030-340 60 65 60 Für allgemeine Fragen
Montag bis Donnerstag: 8:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 8:00 - 12:00 Uhr
nach oben