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15.06.2026 -

Gründung nach Lehrplan – Warum Entrepreneurship Education an Schulen immer wichtiger wird

Einleitung

BWL in der Schule? Klingt nach trockener Theorie. Doch mittlerweile hat die Betriebswirtschaftslehre im Unterricht eine spannende Wandlung erfahren. In vielfältigen Lernformaten werden heute Kompetenzen wie unternehmerisches Denken und Kreativität gefördert. Mit Erfolg: Immer wieder schaffen Schülerfirmen den Sprung ins „echte Leben“.

Eine Schülerin und ein Schüler stehen in einem Klassenraum vor der Klasse. Er hält eine Plaungsskizze aus Papier ausgebreitet in Händen, sie zeigt mit einem Stift darauf und erklärt etwas.

© GettyImages/Kentaroo Tryman

Für den neuen Ansatz hat sich der Begriff Entrepreneurship Education etabliert – also eine Bildung, die junge Menschen dazu befähigen soll, Ideen zu entwickeln, Chancen zu erkennen und Projekte eigenständig umzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das Gründen eines Unternehmens, sondern vor allem die Förderung von Selbstständigkeit, Erfindergeist und Verantwortungsbewusstsein. „Es geht darum, sich frühzeitig darauf vorzubereiten, was nach der Schule passiert und eine berufliche Perspektive zu entwickeln“, erläutert Wilke Ziemann. Er leitet die Geschäftsstelle Gründung in school, die sich genau dieser Mission verschrieben hat.

Passgenaue Formate für den regulären Unterricht

Lehrkräfte, die unternehmerische Bildung in ihren Unterricht integrieren möchten, finden auf der Webseite des bundesweiten Netzwerks vielseitige Angebote und Beratung dazu. Das Programm reicht von Planspielen über Projekttage bis hin zu Gründungswettbewerben – je nach Jahrgangsstufe und Kapazitäten. „Uns ist vor allem wichtig, dass sich die Formate leicht in den Unterricht oder die AG am Nachmittag einbinden lassen“, erläutert Ziemann. „Denn genau das ist die Herausforderung für viele Lehrkräfte: knappe Ressourcen und ein eng getakteter Stundenplan.“ Deshalb gebe es niedrigschwellige Angebote, die diese Problematik abfedern – zum Beispiel durch externe Partner, die in die Schulen kommen. Um das umfangreiche Programm bundesweit anbieten zu können, arbeiten bei Gründung in school 30 Initiativen zusammen. Dazu zählen IHKs ebenso wie der Deutsche Gründerpreis für Schüler:innen.

Dabei sind die Angebote nicht nur ein zusätzliches Extra, sondern lassen sich mit den offiziellen Curricula verbinden. Themen wie Zukunftskompetenzen – zum Beispiel Teamarbeit, Problemlösen, oder Eigeninitiative – stehen ohnehin in vielen Fächern auf dem Lehrplan. In manchen Bundesländern gibt es konkrete Fächer wie „Wirtschaft“. Wo das nicht der Fall ist, lassen sich die Inhalte von Gründung in school an den Fachunterricht andocken. Die Anknüpfungspunkte reichen von Mathe über Gesellschaftskunde bis hin zum Deutschunterricht.

Wertschätzung von Wirtschaftsakteuren spornt den Gründungsgeist an

An der Peter-Joseph-Lenné-Gesamtschule in Potsdam engagiert sich Informatiklehrer Thomas Jandt seit vielen Jahren dafür, den Gründungsgeist seiner Schülerinnen und Schüler zu wecken. Hier ist das Thema „Gründen“ in der 9. Klasse in den WAT-Unterricht (Wirtschaft, Arbeit, Technik) integriert. In der 12. und 13. Klasse haben die Jugendlichen dann die Möglichkeit, im wirtschaftsorientierten Seminarkurs Schülerfirmen zu gründen. Ein Angebot, das offenbar gut ankommt: „Meine Schülerinnen und Schüler finden die Arbeit besonders spannend aus zwei Gründen: Erstens können sie sich intensiv mit Innovation, Kreativität und Nachhaltigkeit beschäftigen“, erzählt Jandt. „Und auf der anderen Seite erleben sie auch mal außerhalb der Schule hohe Wertschätzung, beispielsweise auf Wettbewerben, Messen und Veranstaltungen, bei denen sie sich ganz realen Wirtschaftsakteuren wie Banken und Versicherungen vorstellen.“

Wichtig sei, dass die Jugendlichen erkennen: Hier geht es um Themen, die mit ihrer Lebenswelt und ihrer Zukunft zu tun haben, ergänzt Ziemann. „Dafür muss ihnen ein Zugang zur Unternehmenswelt geschaffen werden. Das bedeutet, sie müssen sich selbst Fragestellungen erarbeiten, Dinge recherchieren, hinterfragen, mit anderen zusammenarbeiten, Ideen weiterentwickeln. Das sind alles Kompetenzen, die von der Wirtschaft gebraucht werden.“ Neugier, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität – das alles ist natürlich nicht nur für Gründende relevant, sondern für zukünftige Angestellte genauso wertvoll.

Ist der Gründungsgeist erst einmal geweckt, wird das Thema oft zum Selbstläufer. „Viele Jugendliche orientieren sich an Role Models – das können die Eltern sein, der ehemalige Praktikumsleiter oder Entrepreneure, denen sie auf Social Media folgen“, erläutert Ziemann. „Dort erfahren sie neben den Erfolgsgeschichten auch von gescheiterten Projekten und wie wichtig es ist, trotzdem an sich zu glauben.“

Schülerfirma als Sprungbrett ins echte Start-up-Unternehmen

Bei manchen Jugendlichen verfängt die Gründungsbegeisterung so nachhaltig, dass es ihre Schülerfirma ins „echte Leben“ schafft. Zu ihnen gehört Florian Scherl, digitaler Senkrechtstarter aus Garching bei München. Mit zwölf brachte er sich das Programmieren bei, mit 18 gründete er noch im Abitur seine erste Kapitalgesellschaft. Den Grundstein dafür legte er bei JUGEND GRÜNDET, einer Mitgliedsinitiative von Gründung in school, wo er seine erste Geschäftsidee einreichte. Heute betreibt er mit explaino.ai eine KI-Plattform, die komplexe Texte in animierte Erklärvideos verwandelt, zum Beispiel für Schulungen und interne Kommunikation in Unternehmen.

„Ich habe gemerkt, dass aus der Idee wirklich ein Unternehmen werden kann, als wir zum ersten Mal externes Feedback und echte Bestätigung bekommen haben“, erinnert sich Scherl. „Ein entscheidender Moment war die Teilnahme an JUGEND GRÜNDET: Dort haben wir nicht nur unseren ersten Businessplan strukturiert ausgearbeitet, sondern auch direkt Feedback von erfahrenen Juroren erhalten.“ Learnings aus dem Schulprojekt haben ihm bei seiner Entwicklung geholfen. „Die wichtigste Erkenntnis war, dass man Ideen sofort einem Realitätscheck unterziehen muss. Durch das Mentoring habe ich gelernt, wie wichtig es ist, extrem früh mit der Zielgruppe zu sprechen. Man darf nicht im stillen Kämmerlein etwas bauen, was am Ende niemand braucht oder wofür niemand zahlt.“

Netzwerke sind unbezahlbar fürs Business

Nachahmungswilligen rät Scherl: „Einfach machen und keine Angst vor Rückschlägen haben. Baut einen ersten Prototypen und geht damit raus. Nutzt unbedingt die Angebote aus dem Ökosystem – ob das Schulseminare, Initiativen wie KI macht Schule! oder Wettbewerbe wie STARTUP TEENS sind. Man lernt dort extrem viel und baut sich ein Netzwerk auf, das später unbezahlbar ist. Und ganz wichtig: Lasst euch von bürokratischen Hürden – wie monatelangem Warten auf eine Umsatzsteuer-ID – nicht ausbremsen. Der Weg ist intensiv, aber es gibt aktuell keine spannendere Zeit, um im Tech-Bereich zu gründen.“

Ganz offensichtlich ist diese Aufbruchstimmung auch in den Schulen angekommen. Wilke Ziemann freut sich über eine wachsende Resonanz auf die Angebote von Gründung in school: In den vergangenen zwei Jahren haben 50 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler an den Angeboten unseres Netzwerks teilgenommen. Entrepreneurship Education ist an immer mehr Schulen ein Thema.“

Über Gründung in school

Die Initiative wurde 2008 vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufen, um bestehende Angebote zur Gründungsbildung zu bündeln und wirtschaftsnahe Projekte im Schulalltag zu stärken. Lehrkräfte finden dort kostenfreie Materialien, Wettbewerbe, Planspiele und viele weitere Angebote für den Unterricht. Zudem gibt es eine Beratungshotline sowie regelmäßige digitale Info-Events.

Alle Infos auf der Webseite von Gründung in school.

Hotline 030-340 60 65 60 Für allgemeine Fragen
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