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Zum Stöbern: Gründungs- und Businessplan-Wettbewerbe, Förderprogramme für Start-ups, wichtige Informationen für Selbstständige und Wissenswertes zur Gründungskultur in Deutschland und der Welt
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Gründen mit Behinderung: „Jeder hat Wissen und Talente, die für andere wertvoll sind“
Einleitung
Eine Selbstständigkeit kann Menschen mit Behinderung neue Wege ins Berufsleben eröffnen. Sie schaffen sich ihren eigenen Arbeitsplatz, gestalten ihn barrierefrei und teilen sich die Aufgaben flexibel ein. Soweit die Theorie. Aber wie klappt das in der Praxis? Gründungsberater Thomas Kotschenreuther und Gründerin Katrin Wertl berichten im Interview über Stolpersteine, Selbstvertrauen und Sichtbarwerden.
Das Team vom Projekt B.E.S.S.E.R. hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren hunderte Menschen mit Behinderung individuell in allen Phasen der Gründung unterstützt. Der Projekttitel steht für „Barrierefrei Existenzgründen. Selbständig und erfolgreich im Erwerbsleben mit Behinderung“. Wie das funktionieren kann, berichten B.E.S.S.E.R.-Gründungsberater Thomas Kotschenreuther und Gründerin Katrin Wertl.
Herr Kotschenreuther, in was für einer Lebensphase sind die Menschen, wenn sie zu Ihnen in die Beratung kommen?
Kotschenreuther: Sie kommen aus einer langen Krankheitsphase, die nach einer Krankschreibung meist in der Arbeitslosigkeit mündete. Sie haben also eine lange Leidenszeit hinter sich und müssen jetzt erkennen: Krankheit und Beruf – das verknüpft sich nicht mehr. Das ist die Phase der Ernüchterung. Dann entwickelt sich bei ihnen der Gedanke, „ok, aber der Geist ist da, das Wissen ist da, die Energie ist da“ – das ist die Aufbauphase, und in dieser Phase kommen Menschen zu uns. Nicht weil sie verzweifelt sind, sondern weil sie einfach wieder auf den Berufsweg wollen. Mit der Arbeitstätigkeit hängt soviel zusammen: Dazuzugehören zur Gesellschaft, aber auch wieder im privaten Kontext „gesellschaftsfähig“ zu sein – man hat wieder was zu erzählen, man erweitert seinen Bekanntenkreis, man hat etwas zu geben.
Frau Wertl, Sie haben 2025 nach einer Beratung bei Herrn Kotschenreuter Ihr Business als Webdesignerin und Marketingberaterin für Pferdezüchter gegründet. Gab es die Idee schon länger?
Wertl: Meine Familie und ich führen seit ungefähr 30 Jahren eine kleine Pferdezucht – arabische Pferde sind unsere große Leidenschaft. Dadurch habe ich viel Wissen und Praxiserfahrung sammeln dürfen, und das wollte ich weitergeben. Gesundheitsbedingt kann ich leider nicht bei der Stallarbeit helfen oder mit den Pferden arbeiten. Es ist leider auch schon etliche Jahre her, seit ich zuletzt auf einem Pferd gesessen habe. Durch meine Muskelschwäche – Spinale Muskelatrophie, eine seltene fortschreitende Muskelerkrankung – sitze ich im Rollstuhl, habe sehr wenig Muskelkraft und Ausdauer, so dass ich realistisch gesehen nur wenige Stunden pro Woche leichte PC-Arbeit machen kann. Ich habe aber einen Aufgabenbereich übernommen, der mir sehr liegt, den ich gerne mache und so meinen Beitrag zu unserer Zucht leisten kann – sämtliche Büroarbeiten für unsere Zucht, Kommunikation mit den Zuchtverbänden und unseren Kunden, Webdesign, Social Media und Marketing. Der Wunsch, mich mit einem Rundum-Paket an Service-Leistungen für Züchter selbständig zu machen, spukte schon seit Ewigkeiten in meinem Kopf herum und nun habe ich den ersten Schritt getan mit meinen Webdesign & Marketing Services im Bereich Pferdezucht.
Aber es gab Zweifel?
Wertl: Ja, mir wurde von vielen Seiten immer eingeredet: „Mach es nicht, Katrin, das ist viel zu anstrengend.“ Und sie haben recht gehabt. Es ist wirklich sehr anstrengend, wenn man es komplett alleine macht. Die Gespräche mit Herrn Kotschenreuther haben mir gezeigt, dass es durchaus Unterstützung gibt. Gewisse Sachen müssen einfach im Vorfeld gut durchdacht und geplant werden bei einer Gründung mit Behinderung. In unseren Coaching-Sitzungen sind wir viele Punkte durchgegangen, angefangen bei den klassischen Gründungsfragen bis hin zu Gesundheitsfragen, die man bei einer Gründung mit Behinderung besonders im Auge behalten sollte.
Herr Kotschenreuther, was sind das für gesundheitliche und andere Aspekte, die Sie bei Ihrer Beratung berücksichtigen?
Kotschenreuther: Eine wichtiges Thema ist die Frage: Wie ist die Leistungsfähigkeit? Viele fallen mit ihren Diagnosen, egal ob die körperlich, psychisch oder seelisch sind, in „Arbeitslöcher“. Das heißt, so wie gesunde Menschen den Ablauf eines Arbeitstages mit intensiven Phasen und auch mal weniger produktiven Zeiten kennen – diese Balance ist bei Menschen mit Behinderung komplett weg. Das akzeptiert der Arbeitgeber in der Regel nicht. Auch nötige Arzt- und Therapiebesuche fallen ja mitten in die reguläre Arbeitszeit. Bei den Menschen, die ich berate, ist aber eine große Energie vorhanden, sich die Arbeit dann eben individuell für sich selbst organisieren zu wollen.
Wertl: Am offenen Arbeitsmarkt einen Arbeitgeber zu finden, der auf sehr individuelle Bedürfnisse stark eingehen kann und Arbeitsausfälle aufgrund einer chronischen Erkrankung mit einkalkulieren möchte, ist schwer. Dem Arbeitsmarkt gehen so viele sehr gute potentielle Mitarbeiter verloren, die hoch motiviert, lernwillig und fachlich top sind. Ich sehe auch durchaus Vorteile in meiner Erkrankung: Ich habe zum Beispiel von Kind an gelernt, Wege zu finden, etwas zu organisieren, damit es klappt. Kreativ werden und Lösungen finden liegt mir im Blut. Eine Stärke, die überall im Leben wichtig ist und mir auch bei meiner Selbständigkeit helfen wird bzw. sogar Grundvoraussetzung für Erfolg ist – davon bin ich überzeugt. Für mich lag es also nahe, mir meinen eigenen Arbeitsplatz zu schaffen. Wichtig für mich: Ich muss mir meine Arbeitszeit 100% flexibel einteilen können. Wenn es mir nicht gut geht, wird nicht gearbeitet oder irgendwas durchgedrückt, denn ich weiß, das rächt sich kurz danach und ich bin für mehr als nur ein paar Tage komplett außer Gefecht.
Fiel es Ihnen schwer, das Selbstbewusstsein für die eigene Gründung aufzubauen?
Wertl: Das Mindset spielt eine irrsinnig große Rolle. In den ersten Sitzungen war das Selbstvertrauen, dass ich diese Gründung schaffe, nicht da. Ich habe mich immer gefragt, kann ich das wirklich, darf ich mir die Zeit so frei einteilen, wie ich es brauche? Also mir selbst diese Erlaubnis zu geben, dass ich mir das Business so einrichten darf, wie es für mich passt.
Wie gehen Ihre Kunden damit um?
Wertl: Um ehrlich zu sein, habe ich bis jetzt nur positive Rückmeldung bekommen nach dem Motto „Wow, Hut ab, dass du das auf dich nimmst.“ Meine ersten Aufträge kamen von Bekannten aus der Pferdezüchterwelt. Sie kennen mich von Zuchtveranstaltungen oder Hofbesuchen und wissen, dass ich im Rollstuhl sitze. Bei Neukunden, die mich noch nicht persönlich kennen, erkläre ich im Kennenlern-Call, dass ich mit gesundheitlichen Einschränkungen arbeite und dass es vorkommen kann, dass ein Projekt etwas länger dauert als geplant. Ich kalkuliere so oder so großzügige Puffer-Zeiten bei meinen größeren Projekten mit ein – Verzögerungen aufgrund von gesundheitlichen Problemen sollten also sehr selten vorkommen.
Herr Kotschenreuther, thematisieren Sie auch die Kundenkommunikation in Ihrer Beratung?
Kotschenreuther: Ja, in unserer Beratung befähigen wir die Menschen auch, mit ihren zukünftigen Auftraggebern offen zu kommunizieren. Wir üben verschiedene Situationen ganz konkret im Rollenspiel. Da geht es um die verschiedensten Situationen. Wir fragen uns zum Beispiel: Was macht das mit unserem Beratungsklient, wenn er darüber nachdenkt, zu einem Meeting eingeladen zu werden, wo es um einen Auftrag geht. Und er ist der Einzige, der mit dem Rollstuhl rein fährt und schon im Vorfeld fragen musste, ob die Umgebung barrierefrei ist. Wie gehst du damit um, so in die Hilfestellung zu fallen? Das in der Beratung zu üben, kann den Menschen mehr Selbstvertrauen geben.
Das Selbst-Marketing ist vor diesem Hintergrund sicher auch ein besonderes Thema.
Kotschenreuther: Ja, viele meiner Klienten fragen sich auch: Gebe ich meine Behinderung überhaupt preis, wenn ich Werbung für mich mache? Zeige ich Bilder von mir auf meiner Website? „Sichtbar werden in der Selbstständigkeit“ ist ein großes Thema, das wir zusammen angehen. Damit haben schon gesunde Menschen ihre Probleme, wenn sie ein bisschen introviertiert sind. Behinderten Menschen kostet das Sichtbarwerden dann nochmal mehr Überwindung.
Erleben Sie auch Menschen, die aus Ihrer Behinderung in beruflicher Hinsicht eine Wendung zum Besseren gemacht haben?
Kotschenreuther: Ja, oftmals sind auch Menschen da, die jetzt was ganz anders machen als zuvor – nämlich das, was früher ihr Hobby war. Ich habe einen Marketingprofi, der bei einer großen Firma in Deutschland war. Mit seiner Erkrankung fiel er da raus und ist nun Zweiradmechaniker. Seit seiner Kindheit war er Rennradfan, kennt sich also bestens damit aus. Und die neue Tätigkeit unterstützt ihn dabei, nicht mehr so krank zu werden wie vorher. Es ist ein anderer Lebensinhalt für ihn, macht ihm Freude.
Gibt es Schwerpunkte bei den Branchen, die Ihre Beratungskunden anstreben?
Kotschenreuther: Es ist querbeet, aber ein Schwerpunkt liegt auf der beratenden Tätigkeit – bei manchen aus einem Spektrum heraus, das sie erst durch die Krankheit kennengelernt haben. Als Beispiel möchte ich einen ehemaligen Sternekoch nennen, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und jetzt rollstuhlgerechte Küchen kreiert – inklusive Kochbüchern speziell für die Ernährung von Rollstuhlfahrern. Oftmals kommt man über die Krankheit auf eine neue Business-Idee, die wir dann gemeinsam gestalten können.
Frau Wertl, wie geht es idealerweise mit Ihrem Business weiter?
Wertl: Geplant ist, das Thema „berufliche Assistenz“ intensiv durchzugehen. Welche Möglichkeiten bestehen, komme ich dafür überhaupt in Frage? Wenn ich kleinere organisatorische Aufgaben an einen Assistenten abgeben könnte, würde mir das viel Zeit geben, mich auf Kernaufgaben zu konzentrieren. Viele Tätigkeiten kann ich einfach nicht alleine machen, wie zum Beispiel zur Druckerei fahren, Materialien vor Ort einkaufen, auf Messen und Zuchtveranstaltungen präsent sein oder zu Kunden auf den Hof fahren. Vieles kann man natürlich online erledigen, aber die wichtigen Dinge – allen voran Kundenakquise, persönlicher Kundenkontakt und Networking in der realen Welt – sind sehr anstrengend bzw. von mir alleine nicht durchführbar, liegen jedoch mit Unterstützung in Form von zum Beispiel Arbeitsassistenz im Bereich des Möglichen.
Kotschenreuther: Das ist auch einer unserer Kernpunkte, dass wir die Menschen darauf hinweisen, dass es diese Unterstützungsmöglichkeiten durch berufliche Assistenz gibt. Viele wissen das überhaupt nicht, auch wenn sie einen Schwerbehindertenstatus haben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche technische Hilfen – von Software für Sehbehinderte bis hin zu Kfz-Umbauten für Rollstuhlfahrer. Und es gibt natürlich noch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten. Wir führen die Menschen durch die Anträge, stellen die Kontakte her zu den Inklusionsämtern, zur Rentenversicherung und Arbeitsagentur, damit oftmals in diesem Dreigestirn eine gute Lösung dazu herauskommt.
Frau Wertl, was würden Sie anderen Gründenden raten?
Wertl: Wir alle haben gewisse Lebenserfahrungen, Wissen, Soft-Skills und Talente, die für andere sehr wertvoll sind und wir ihnen zur Verfügung stellen können. Macht was draus! Unterschätzt euch nicht! Aber: Überschätzt euch auch nicht. Psychische und physische Gesundheit muss immer Priorität haben, damit man sich auf lange Sicht eine erfolgreiche Selbständigkeit aufbauen kann. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich vor der Gründung von einem Coach mit Spezialisierung auf Gründen mit Behinderung ausgiebig beraten zu lassen. Das Coaching gab mir einen roten Faden, eine Struktur, die ich Schritt für Schritt für mich durcharbeiten konnte, viele wertvolle Informationen, Tipps, Erkenntnisse und Networking-Kontakte. Und – ich glaube das war eines der wichtigsten Dinge – mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit.
Weitere Informationen:
Projekt B.E.S.S.E.R.
Die Gründungsberatungen und Nachbegleitungen von B.E.S.S.E.R. werden von der Social Impact gGmbH und dem Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg umgesetzt. Im Rahmen des Projekts entstanden zahlreiche Info-Materialien, die kostenfrei zum Download zur Verfügung stehen – auch nach Ende der planmäßigen Laufzeit der Initiative zum 31. März 2026. Sie bieten all jenen, die Menschen mit Behinderung beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützen wollen, wertvolle Orientierung.
Barrierefrei gründen
Gründungsberater Thomas Kotschenreuther und sein Kollege Marcus Bittner sind darüber hinaus über ihre selbst ins Leben gerufene Initiative barrierefrei-gründen.de weiterhin als Berater für gründungsinteressierte Menschen mit Behinderung da.
Enterability
Gründunsinteressierte aus Berlin finden mit Enterability eine spezialisierte Anlaufstelle. Gefördert vom Berliner Integrationsamt, unterstützt die Initiative Menschen mit Behinderung, die sich in der Hauptstadt selbständig machen wollen oder schon länger ein eigenes Business haben.
Integrations- und Inklusionsämter
Jedes Bundesland hat mindestens ein Integrations- bzw. Inklusionsamt. Dort können Menschen mit Schwerbehinderung behinderungsbedingte Unterstützung (z. B. Arbeitsassistenz, technische Hilfen) für die Aufnahme und Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit erhalten. Das zuständige Amt lässt sich zum Beispiel über die Website der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsämter und Hilfen der Sozialen Entschädigung ermitteln.