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20.06.2017 -

Ideen entwickeln

Einleitung

Um Prozesse zu verbessern, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen, braucht es gute Ideen.

Anknüpfungspunkt dafür können auch gesellschaftliche Trends wie die alternde Gesellschaft, die zunehmende Vereinzelung oder die digitale Vernetzung sein, die viele gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen.

Kreativitätstechniken

Ideen kann man für sich im Unternehmen oder auch in der Zusammenarbeit mit Innovations-Partnern entwickeln. Hilfreich dabei sind Kreativitätstechniken. Sie können dabei helfen, den Ideenfluss zu beschleunigen, Denkblockaden zu überwinden oder eine neue Suchrichtung für eine Problemlösung einzuschlagen.

Welche die jeweils richtige Kreativitätstechnik ist, hängt von der Aufgaben- oder Problemstellung ab, außerdem von der Teilnehmerzahl einer Arbeitsgruppe, der verfügbaren Zeit usw. Im Folgenden einige Technik-Beispiele.

Für jede Kreativitätstechnik ist wichtig...

Unabhängig davon, welche Kreativitätstechnik man nutzen möchte: Sie kann nur dann funktionieren, wenn man für die passenden Arbeitsbedingungen sorgt. Dazu gehört vor allem, „Kreativitätskillern“ keine Chance zu geben.

  • Achten Sie darauf, dass genügend Zeit zur Verfügung steht und kein Zeitdruck aufkommt.
  • Formulieren Sie genau die Frage- oder Problemstellung.
  • Legen Sie die Vorgehensregeln fest.
  • Organisieren Sie eine Ergebnissicherung. Bestimmen Sie ggf. einen Protokollanten.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ideen erst nach der Ideensammlung bewertet werden (z.B. durch eine Pro-und-Contra-Diskussion zu einzelnen Ideen, Klärung der Frage: Welche Idee kann am leichtesten realisiert werden?).
  • Vereinbaren Sie Regeln für die Kommunikation. So sind „Killerphrasen“ wie z.B. „Das geht nicht“, „Alter Hut“, „Zu kompliziert“, „Zu teuer“ verboten.

Dafür, möglichst viele Ideen zu finden, eignen sich vor allem das Brainstorming und das Brainwriting.

Brainstorming

Ziel
Brainstorming ist die am häufigsten genutzte Methode zur Ideenfindung. Bei einem Brainstorming geht es darum, möglichst viele neue Ideen zu sammeln. Es eignet sich besonders für die Bereiche, in denen viele verschiedene Problemlösungen denkbar und Einfälle gewünscht sind. Weniger geeignet ist die Methode bei engen und schwierigen Problemstellungen, für die es nur wenige Lösungen oder womöglich nur eine einzige Lösung gibt (hier kann die Merkmalsauflistung helfen).

Problemstellung (Beispiel)

  • Mit welchem Slogan könnte unsere Firma werben?

Zeit
20 bis 40 Minuten

Umsetzung
Es sollten nicht mehr als sechs bis zehn Teilnehmer dabei sein. Sie sollen spontan und ungehemmt eine große Anzahl von Ideen zu einem Thema oder einem Problem äußern. Quantität geht vor Qualität, jede Idee ist gefragt und wird notiert, auch scheinbar verrückte Ideen. Die Teilnehmer sollen dabei bereits geäußerte Ideen auch aufgreifen und weiterentwickeln. Alle Einfälle werden später gemeinsam bewertet. Erst dann ist konstruktive Kritik erlaubt und erwünscht. Nicht zuletzt müssen die Ideen dabei auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft werden. Die besten werden anschließend aufgegriffen und weiterentwickelt.

Praxistipp
Das Brainstorming eignet sich am besten für Gruppen mit gleich starken Gruppenmitgliedern. Ist die Gruppe anders „gestrickt“, so kann es sein, dass eher zurückhaltende Gruppenmitglieder mit ihren Ideen nicht zum Zuge kommen oder sich hinter wortstarken Teilnehmern verstecken (hier kann die Brainwriting-Methode helfen). Der Moderator hat die Aufgabe, stille Teilnehmer zu animieren, dominierende zu „bremsen“, nachlassende Ideenflüsse durch Reizfragen zu stimulieren, darauf zu achten, dass sich die Gruppe nicht vom Thema entfernt und zu gewährleisten, dass das Brainstorming nicht aus dem Ruder läuft (z.B. dadurch, dass Beiträge kritisiert oder sogar „abgewürgt“ werden). Er muss auf Killerphrasen achten und diese sofort unterbinden.

Brainwriting-Methode 6-3-5

Ziel
Beim Brainwriting geht es – wie auch beim Brainstorming – darum, möglichst viele neue Ideen zu sammeln. Das tut jeder Teilnehmer zunächst still für sich. Auf diese Weise sind garantiert alle Gruppenmitglieder an der Ideenfindung beteiligt. Weniger geeignet ist die Methode bei engen und schwierigen Problemstellungen, für die es nur wenige Lösungen oder womöglich nur eine einzige Lösung gibt (hier kann die Merkmalsauflistung helfen).

Problemstellung (Beispiel)

  • Welche zusätzlichen Produkte könnte unsere Firma anbieten?

Zeit
30 bis 40 Minuten

Umsetzung
Die Brainwriting-Methode 6-3-5 heißt so, weil sechs Teilnehmer jeweils drei Ideen in jeweils fünf Minuten in ein Formblatt eintragen. Am besten sitzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür in Sechser-Gruppen im Kreis. Alle erhalten ein Blatt Papier mit einem Raster für ihre Einträge.

Vorlage für Brainwriting: Brainwriting Methode 6-3-5 (6 Teilnehmer, 3 Ideen, 5 Minuten)
Fragestellung:
Idee 1Idee 2Idee 3
Runde 1
Runde 2
Runde 3
Runde 4
Runde 5
Runde 6

Jeder Teilnehmer notiert nun in der ersten waagerechten Zeile 3 Lösungsmöglichkeiten für die genannte Problemstellung. Dies soll innerhalb von 5 Minuten geschehen. Anschließend gibt er sein Blatt in Uhrzeigerrichtung an den Nachbarn zur Rechten weiter. Jeder Teilnehmer liest sich nun die Lösungsideen seines Vorgängers durch und trägt in die zweite Zeile 3 weitere Ideen ein: entweder eine Ergänzung oder Weiterentwicklung der ersten 3 Lösungsvorschläge oder völlig neue Ideen. Die Blätter werden wiederum nach weiteren 5 Minuten weitergereicht. Dies geschieht insgesamt 5 Mal. So können in 30 Minuten insgesamt 108 Ideen entwickelt und festgehalten werden.

Praxistipp
Bei dieser Methode hat – anders als beim Brainstorming – jedes Gruppenmitglied die Möglichkeit, Ideen zu entwickeln und einzubringen. So entstehen bei geringem Zeitaufwand jede Menge Ideen, die zudem von den anderen Mitgliedern mit deren eigenen Einfällen kombiniert und weitergesponnen werden. Der Moderator sollte den Teilnehmern mitteilen, dass sie nicht unbedingt jedes Kästchen ausfüllen müssen. Ein solcher Druck würde die Kreativität nur blockieren.

Um bestehende Ideen zu verfeinern, kann man die Merkmalsauflistung oder den Morphologischen Kasten verwenden.

Merkmalsauflistung

Ziel
Eine Merkmalsauflistung fischt nicht mit dem großen Netz nach möglichst vielen verschiedenen Ideen. Mit ihrer Hilfe können die Teilnehmer z.B. bestehende Produkte oder Dienstleistungen verändern und weiterentwickeln. Die Merkmalsauflistung ist eine vereinfachte Vorstufe des Morphologischen Kastens und kommt wie dieser häufig dann zum Einsatz, wenn Produkte oder Dienstleistungen genauer auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten werden sollen.

Problemstellung (Beispiele)

  • Wie können wir bestehende Angebote verbessern (um eine Marktnische zu besetzen)?
  • Wie können wir das Angebot unserer Firma verbessern (um den Absatz zu erhöhen)?
  • Wie sollte das ideale Handy beschaffen sein?

Zeit
30 Minuten

Umsetzung
Die Teilnehmer tragen zunächst die wichtigsten Merkmale eines geplanten Produkts oder einer geplanten Dienstleistung zusammen: Form, Größe, Design, Material, Farbe, Aufgabe, Nutzen, Dauer, Preis usw. Dann sollten sie überlegen: Lassen sich diese Merkmale verändern, ersetzen oder anders kombinieren, so dass das Produkt bzw. die Dienstleistung für die Kunden einen größeren Nutzen anbietet und attraktiver wird?

Vorlage für Merkmalsauflistung:

Merkmalsauflistung Produkt
AltNeu
Aufgabe
Nutzen
Form
Größe
Design
Material
Farbe
Preis
Merkmalsauflistung Dienstleistung
AltNeu
Zweck
Nutzen
Häufigkeit
Uhrzeit
Zeitaufwand
Materialaufwand
Preis

Praxistipp
Bei der Merkmalsauflistung sollte man darauf achten, dass sich die Merkmale wirklich deutlich voneinander abgrenzen und nicht verschwimmen. Bei einer schleppenden Geschäftsidee-Suche kann man mit verschiedenen Gruppen arbeiten, um Denkbarrieren zu überwinden und zu originellen Lösungen zu kommen. So kann eine erste Gruppe die Merkmale eines Produktes festlegen, eine zweite bei der Suche nach den Lösungsalternativen einsteigen und eine dritte die optimale Lösung suchen (ggf. ohne dass die Gruppen die Aufgabenstellungen der anderen kennen).

Morphologischer Kasten

Ziel
Ein Morphologischer Kasten wird bei engen und schwierigen Problemstellungen eingesetzt, für die es nur wenige Lösungen oder womöglich nur eine einzige Lösung gibt. Mit seiner Hilfe können die Teilnehmer z.B. bestehende Produkte oder Dienstleistungen verändern und weiterentwickeln, um eine neue Geschäftsidee und vielleicht eine Marktnische zu finden. Der Morphologische Kasten ist eine Weiterentwicklung der Merkmalsauflistung und kommt wie diese häufig dann zum Einsatz, wenn Produkte oder Dienstleistungen genauer auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten werden sollen. Er eignet sich besonders gut bei eher technisch ausgerichteten Frage- und Aufgabenstellungen.

Problemstellung (Beispiele)

  • Wie können wir bestehende Angebote verbessern (um eine Marktnische zu besetzen)?
  • Wie können wir das Angebot unserer Firma verbessern (um den Absatz zu erhöhen)?

Zeit
30 Minuten

Umsetzung
Um eine vage Geschäftsidee zu konkretisieren und zu einer Entscheidung für und gegen bestimmte Umsetzungen zu kommen, sollte man zunächst alle denkbaren Merkmale zusammentragen, die für den Kunden bei diesem Produkt oder dieser Dienstleistung eine Rolle spielen. Das kann mit Hilfe eines Brainstormings geschehen. Zu diesen Merkmalen werden dann verschiedene Varianten (Lösungsalternativen) gesucht und nebeneinander notiert. Jede Variante eines Merkmals kann nun theoretisch mit jeder Variante der anderen Merkmale kombiniert werden. Aus den verschiedenen möglichen Kombinationen lässt sich dann die beste auswählen.

Praxistipp
Beim Morphologischen Kasten sollte man darauf achten, dass sich die Merkmale wirklich deutlich voneinander abgrenzen und nicht verschwimmen. Bei einer schleppenden Geschäftsidee-Suche kann man mit verschiedenen Gruppen arbeiten, um Denkbarrieren zu überwinden und zu originellen Lösungen zu kommen. So kann eine erste Gruppe die Merkmale eines Produktes festlegen, eine zweite bei der Suche nach den Lösungsalternativen einsteigen und eine dritte die optimale Lösung suchen (ggf. ohne dass die Gruppen die Aufgabenstellungen der anderen kennen).

Blockaden bei der Ideensuche lassen sich mit der Reizwortanalyse oder auch der Kopfstand-Methode überwinden.

Reizwortanalyse

Ziel
Die Reizwortanalyse wird immer dann eingesetzt, wenn bei einer Fragestellung und mit Hilfe anderer Kreativitätstechniken kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wurde. Reizwörter können der Kreativität auf die Sprünge helfen. Sie sollen die Gedanken der Teilnehmer von gängigen Denkwegen weg auf neue Pfade führen und dabei neue Verknüpfungen und Zusammenhänge schaffen.

Problemstellung (Beispiel)

  • Wir wollen aus der Geschäftsidee etwas Besonderes machen, um uns von der Konkurrenz abzuheben. Nur was?

Zeit
15 bis 30 Minuten

Umsetzung
Es werden ein Wort oder mehrere Reizwörter ausgewählt, die nichts mit der eigentlichen Frage-oder Problemstellung zu tun haben. Dafür kann man z.B. ein Lexikon auf einer beliebigen Seite aufschlagen und einen Begriff auf dieser Seite herausgreifen. Man kann auch Bilder einsetzen, um die Teilnehmer Reizwörter finden zu lassen: Landschaften, Städte, Tiere, Maschinen, Geräte usw. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Teilnehmer einem Protokollführer beliebige Wörter zurufen. Er notiert die Wörter auf jeweils ein Kärtchen und legt diese anschließend verdeckt auf den Tisch. Die teilnehmenden Teams werden aufgefordert, sich zwei der Karten zu nehmen und rund um die beiden darauf gefundenen Wörter eine neue Idee zur vorher gestellten Fragestellung zu entwickeln. Alle Teilnehmer notieren, was ihnen zu diesem Begriff einfällt. Die Einfälle werden danach vorgetragen und analysiert. Dann werden sie zu der eigentlichen Frage-oder Problemstellung in Beziehung gesetzt. Wo liegt eine denkbare Verbindung? Welche Besonderheiten des Begriffs und der damit verbundenen Assoziationen können auf die Frage-oder Problemstellung übertragen werden? Denkbares Beispiel: Niere. Vielleicht ist auf diesem Weg der Nierentisch entstanden.

Praxistipp
Nicht entmutigen lassen: Oft entstehen bei der Reizwortanalyse zwar eher „Abfälle“ als Einfälle. Aber die Methode macht besonderen Spaß, sie fördert die geistige Beweglichkeit. Und es kommt immer wieder zu genialen Ideen. Achtung: Wenn man die Reizwörter per Zuruf festlegt, kann man die Reizwortanalyse in der Regel nur ein Mal effektiv nutzen. Beim zweiten Mal schlagen die Teilnehmer oft Reizwörter vor, die sie für ihre Zwecke schon gezielt aussuchen.

Vorlage für Reizwortanalyse
Reizwortanalyse: Übertragen Sie das Reizwort auf das eigentliche Thema, ein Produkt oder eine Dienstleistung
ReizwortÜbertragung auf Produkt/Dienstleistung

Eigenschaften

des Reizwortes

Neuer Nutzen für den Kunden
Neue Funktionen
Neue Eigenschaften

Assoziationen

zum Reizwort

Neue Form
Neue Handhabung
Neue Abläufe

Kopfstand-Methode (Mentale Provokation)

Ziel
Die Kopfstandmethode soll dabei helfen, eine Frage zu beantworten oder ein Problem zu lösen, beispielsweise dafür, ein Alleinstellungsmerkmal für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu finden.

Problemstellung (Beispiele)

  • Eigentliche Problemstellung: Wie sieht die optimale Werbung für den Fahrradreparaturdienst aus? Wie genau sollten die Computerschulungen unserer Firma für Senioren ablaufen?
  • Umkehrfrage der Kopfstandmethode: Wie muss die Werbung für den Fahrradreparaturdienst aussehen, dass sie von niemandem wahrgenommen wird? Wie sollten die Computerschulungen für Senioren organisiert sein, dass die Teilnehmer hinterher so ratlos sind wie vorher?

Zeit
45 Minuten

Umsetzung
Bei der Kopfstandmethode wird die ursprüngliche Problemstellung in ihr Gegenteil verkehrt. So stellt man die Teilnehmer vor die Frage: Was steht in direktem Widerspruch mit den Zielsetzungen der eigentlichen Aufgabe? Diese eigentliche Aufgabe könnte sein: Wie bringen wir möglichst viele Kunden dazu, unser Produkt zu kaufen? In der Umkehrung der Aufgabenstellung würde daraus: Wie verhindern wir, dass Kunden unser Produkt kaufen? Nach denkbaren Lösungen können die Teilnehmer nun in einem Brainstorming suchen. Möglich wäre in diesem Fall: Wir bieten einen Fahrradschnellkurierdienst hier am Ort an, bei dem die Auftraggeber einen halben Tag auf einen Boten warten müssen. Zu guter Letzt werden die gefundenen Ideen wiederum umgekehrt und auf diesem Weg zu Lösungsansätzen der ursprünglichen Problemstellung. Mögliche Lösung für das Fahrradschnellkurierdienst-Beispiel: Garantiertes Tempo!

Praxistipp
Mit der Kopfstand-Methode lassen sich Denkblockaden lösen. Sie hilft dabei, sich von festgefahrenen Sichtweisen zu befreien, und ist dann angesagt, wenn andere Wege der Ideenfindung zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt haben. Sie ist nicht dafür gedacht, möglichst viele verschiedene Ideen zu finden. Sie eignet sich nur für komplexe und abgegrenzte Problemstellungen. Dabei ist sie allerdings sehr effektiv. Erfahrungsgemäß fallen den Teilnehmern nämlich Negativ-Ideen eher ein als die Positiv-Ideen, um die es eigentlich geht.

Vorlage für Kopfstandmethode
Ausgangs-Fragestellung:
Kopfstand-Fragestellung:
Antwort 1 auf Kopfstand-FragestellungÜbertragung auf Ausgangs-Fragestellung
Antwort 2 auf Kopfstand-FragestellungÜbertragung auf Ausgangs-Fragestellung
Antwort 3 auf Kopfstand-FragestellungÜbertragung auf Ausgangs-Fragestellung
Antwort 4 auf Kopfstand-FragestellungÜbertragung auf Ausgangs-Fragestellung
Antwort 5 auf Kopfstand-FragestellungÜbertragung auf Ausgangs-Fragestellung

Wer Ideen aus verschiedenen Perspektiven prüfen will, kann dafür die 6-Hüte-Methode, die Identifikationsmethode oder auch die Walt-Disney-Methode nutzen.

6-Hüte-Methode

Ziel
Mit Hilfe dieser Methode kann ein Problemthema aus 6 verschiedenen Perspektiven betrachtet und diskutiert und eine ausgewogene Problemlösung erarbeitet werden.

Problemstellung (Beispiele)

  • Mit unserer Firma ein eigenes Modelabel auf den Markt bringen: Ist das zu schaffen?
  • Ein Theater ohne Förderung durch die Stadtverwaltung betreiben: Ist das sinnvoll?

Zeit
30-45 Minuten

Umsetzung
Den Teilnehmern werden sechs symbolische Hüte angeboten. Jeder dieser Hüte steht für eine bestimmte Denkrichtung. Die Teilnehmer setzen diese Hüte auf, übernehmen die damit verbundene Sichtweise auf die Problemstellung und eine damit verknüpfte Aufgabe. So steuern sie verschiedene Standpunkte zur Problemlösung bei. Nach einer festgelegten Zeit sollten die Teilnehmer die Hüte wechseln.

Der weiße Hut: Objektivität und Neutralität
Seinem Träger geht es nur um Fakten und Zahlen. Er sammelt Informationen zum Problemthema, hat keine persönliche Meinung dazu, zeigt keine Emotionen und fällt kein Urteil.

Der rote Hut: persönliches Empfinden und subjektive Meinung
Sein Träger ist der Gefühlsbetonte. Er äußert alles, was er rund um das Problemthema fühlt und ihm durch den Kopf geht, sowohl die positiven als auch die negativen Gefühle und Gedanken.

Der schwarze Hut: negative sachliche Argumente
Sein Träger ist der Pessimist, der Bremser, Zweifler und Bedenkenträger. Er weist auf kühle und sachliche Art und Weise auf Fehler und Hindernisse beim Umgang mit dem Problemthema hin.

Der gelbe Hut: positive sachliche Argumente
Sein Träger ist der Optimist, der Begeisterungsfähige, der Antreiber. Er zeigt auf kühle und sachliche Art und Weise die Chancen einer Idee auf, alle Aspekte, die für die Entscheidung sprechen.

Der grüne Hut: neue Ideen
Sein Träger steht für Kreativität. Er wagt es, über den Tellerrand hinauszublicken. Er soll von den vorgezeichneten Denk-und Argumentationswegen abweichen und versuchen, ganz neue Ideen und Problemlösungen in die Auseinandersetzung einzubringen, ganz egal, wie verrückt oder unrealistisch die Ideen oder Lösungsansätze sind. Dabei sollen seine Alternativvorschläge nicht mit kritischen Bemerkungen an anderen Positionen einhergehen (das ist Sache des schwarzen Huts).

Der blaue Hut: Dirigent
Sein Träger ist Moderator der Gruppe. Er blickt von einer höheren Ebene auf die Auseinandersetzung in der Gruppe, behält den Überblick, führt die einzelnen Beiträge zu realisierbaren Ergebnissen und Problemlösungen zusammen. Gibt es bereits einen festen Moderator, entfällt diese Rolle.

Praxistipp
Die 6-Hüte-Methode führt dazu, dass bei der Diskussion um ein Problemthema viele Perspektiven berücksichtigt werden. Sie vermeidet so Einseitigkeit und blinde Flecken. Die Hüte sorgen außerdem dafür, dass die Teilnehmer – durch eine Rolle geschützt – darüber Hemmungen verlieren und ihre Beiträge bereitwillig äußern. Das Rollenspiel verhindert zudem Konflikte, da die Teilnehmer nicht ihre eigene Sichtweise vertreten. Falls Hüte zu aufwändig sind, können alternativ auch farbige Armbinden verwendet oder für die jeweiligen Rollen bestimmte Plätze im Klassenraum festgelegt werden.

Walt-Disney-Methode

Ziel
Die Walt-Disney-Methode kann dazu benutzt werden, zu überprüfen, ob eine Geschäftsidee gut ist oder nicht.

Zeit
30 Minuten

Umsetzung
Die Teilnehmer sollen dabei die Rollen des Träumers, des Realisten und des Kritikers einnehmen und die betreffende Idee aus den jeweiligen Blickwinkeln betrachten und bearbeiten. Leider werden diese Rollen normalerweise oft vermischt. Beim Träumen wird häufig bereits an die Umsetzbarkeit gedacht, und beim Planen denkt man an die viele Arbeit und an die Kritik anderer. Wunschergebnis: eine möglichst kreative Idee, die dennoch den Einwänden der Realisten und Kritiker standhält.

Praxistipp
Die Walt-Disney-Methode eignet sich sowohl für eine einzelne Person als auch für eine Gruppe. Sie ist der 6-Hüte-Methode sehr ähnlich, aber weniger zeitaufwändig.

Arbeitsaufträge für Träumer
Egal, wie man das realisiert, ob es realistisch ist, ob es machbar ist: Schreiben Sie alle Ideen auf. Verrückte, völlig unlogische und ungewöhnliche Einfälle und Verbindungen sind besonders hilfreich. Sie sind die wesentliche Grundlage der kreativen Ideenfindung. Einschränkungen sind in dieser Phase nicht erlaubt, also auch keine Kritik oder Einwände.

  • Was wäre schön?
  • Was fällt mir dazu ein?
  • Was wäre die ideale Situation?
  • Was ist mein Traum dazu?
  • Was fällt mir Verrücktes und Ausgefallenes dazu ein?

Arbeitsaufträge für Realisten
Erarbeiten Sie einen Plan zur Umsetzung, notieren Sie alle Maßnahmen, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Schreiben Sie auf, über welche Mittel und Möglichkeiten Sie bereits verfügen und welche noch benötigt werden. Welche Menschen, Teams, Abteilungen oder Unternehmen könnten dabei helfen? Welche Ressourcen und Qualifikationen benötigen Sie?

  • Was wird für die Umsetzung benötigt (Material, Menschen, Wissen, Techniken etc.)?
  • Wie kann realisiert werden, was der Träumer sich ausgedacht hat?
  • Was muss getan oder gesagt werden?
  • Was fühlt man bei dieser Idee?
  • Welche Grundlagen sind schon vorhanden?
  • Kann der Ansatz getestet werden?

Arbeitsaufträge für den Kritiker
Seien Sie sehr kritisch und nicht nett. Schreiben Sie alle Kritikpunkte zu dem Plan auf, den Sie als Realist gemacht haben.

  • Kann das realisiert werden?
  • Was halte ich für möglich?
  • Was kann gar nicht funktionieren?
  • Was ist einfach nur Träumerei?
  • Was könnte verbessert werden? Welches sind Chancen und Risiken?
  • Was wurde übersehen?
  • Wie denke ich über den Vorschlag?

Dann kommt wieder die Traum-Rolle an die Reihe
Erarbeiten Sie aus den bisherigen Ergebnissen des Realisten und des Kritikers etwas noch Großartigeres. Nehmen Sie sich die Kritik Punkt für Punkt vor und erweitern Sie das Ziel, bis sich die Kritik auflöst. An der Stelle bitte nicht die Idee reduzieren, sondern erweitern, bis dem Kritiker nichts mehr einfällt. Das Ergebnis schreiben Sie genau auf.

Hotline 030-340 60 65 60 Für allgemeine Fragen
Montag bis Donnerstag: 8:00 - 18:00 Uhr
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